SONG

La Paloma

Die Ursonate des Pop

Es ist das Lieblingslied der Deutschen, ergab eine Umfrage der „Bild“. Und wahrscheinlich wurde keine andere Komposition weltweit in so vielen unterschiedlichen Versionen gesungen, gezupft und geblasen - sei es auf Hochzeiten oder Beerdigungen, zum Einschlafen oder auf Demos, als Tango, Walzer oder Marsch, als Reggae, Rocknummer oder Countrysong.

Eins ist klar: “La Paloma" ist keinesfalls ein kubanisches Traditional, sondern eine Komposition von Sebastian Iradier. Der Spanier wuchs im Baskenland auf, studierte in Madrid und verbrachte den Großteil seines Lebens in Paris. Der Rhythmus ist jedoch eindeutig an der kubanischen Habanera orientiert. Ob Iradier dazu wirklich auf die Insel reiste oder das Lied in Paris schrieb, ist unklar, wenn auch die Legende besagt, dass er gemeinsam mit der Sängerin Marietta Alboni nach Kuba reiste und dort sein Lied komponierte.

Die populärste deutsche Textversion, geschrieben von Helmut Käutner, hatte im Film Große Freiheit Nr. 7 von 1944 Premiere und diese von Hans Albers interpretierte Version machte das Lied in Deutschland allgemein bekannt.

Vor wenigen Jahren lief ein Dokumentarfilm in den Kinos über die Geschichte des Songs. Der renommierte Münchner Plattenverlag Trikont brachte 6 (!) Alben mit verschiedenen Interpretationen des Lieds heraus. Zu den Interpreten gehören Placido Domingo, Heino, Dean Martin, Elvis Presley, Freddy Quinn, James Last Orchester, Amon Düül, Nana Mouskouri, Roberto Blanco, Connie Francis, Mirelle Mathieu, Julio Iglesias, Charlie Parker, Caterina Valente u.v.a.

Warum das Stück so erfolgreich wurde, ist nicht leicht zu erklären. “Wenn ich wüsste, wie das funktioniert, würde ich nach dem gleichen Muster ein Stück nach dem anderen schreiben und sehr wohlhabend werden,“ sagt Herausgeber Kalle Laar. Der gemeinsame Nenner der weltweiten "La Paloma"-Begeisterung scheint das Gefühl der Sehnsucht zu sein, das die Melodie auslöst. Sehnsucht nach einer Frau, nach der Ferne, nach Frieden oder nach politischen Veränderungen - die konkreten Ausformungen werden je nach Land und Zeit in unzähligen neuen Liedtexten zum Ausdruck gebracht, das Gefühl aber bleibt.