SONG

Io non mi sento Italiano

Ich fühle mich nicht als Italiener

Das Leben von Giorgio Gaber kann durch seine Lieder gelesen werden, intensive Autobiographien, die die Realität, in der er lebte, und die Generation, der er angehörte, analysieren und reflektieren.

Er war einer der Vorreiter der neuen populären Musik Italiens und der erste, der Rock’n’Roll Aufnahmen machte. In den 60er Jahren machte sich Giorgio Gaber im Fernsehen einen Namen als Sänger, Interpret und Performer. Er vertonte Texte der Schriftstellerin Simonetta, insbesondere Balladen, die von der folkloristischen Mailänder Musik inspiriert sind. Zu der Zeit wurde die mailändische Kulturszene durch Künstler wie Dario Fo, Paolo Grassi oder Franco Parenti neu aufgemischt. Gabers Musik und Performance gehörte mit dazu. In seinen Kompositionen konnte er seine Lage und Probleme freundlich und ehrlich vermitteln. Diese Begabung machte ihn zum Publikumslieblings.

Einige Jahre später, widmete er sich auch aufgrund der Zensur im Fernsehen gänzlich der Bühne. Er gilt als einer der Gründer des „Teatro Canzone“ Genre. Seine preisgekrönten und ausverkauften Shows waren immer eine Mischung aus Monologen und Liedern.

Kettenraucher Giorgio Gaber starb 2003 nach einem langen Kampf an Krebs. Kurz nach seinem Tod erschien sein letztes Werk "Io non mi sento italiano" (Ich fühle mich nicht als Italiener). Aus dieser Arbeit ging Giorgio Gaber als Politiker hervor, ein Mensch, der in ständigem Gegensatz zu der ihn umgebenden Realität und in ständiger Entwicklung steht, eine Wahl, die ihn endgültig von den Massenmedien entfernte.

TEXT ÜBERSETZUNG

Io non mi sento Italiano


Text und Musik: Giorgio Gaber

(Auszug)

Entschuldigen Sie, Präsident,
es ist nicht meine Schuld,
aber dieses unser Vaterland,
ich weiß nicht, was es sein soll.
Ich fühle mich nicht als Italiener,
aber zum Glück oder leider bin ich es.

Ich habe vor Augen den Fanatismus
der schwarzen Hemden zu Zeiten des Faschismus.

Danach entsprang eines schönen Tages
diese Demokratie, die, will man sie loben,
schon viel Phantasie verlangt.

Dieses schöne Land voller Poesie
stellt viele Anforderungen,
aber in unserer abendländischen Welt
ist es die Peripherie.

Mag sein, dass die Italiener
aus langer Tradition sehr begeistert sind
von jeder Diskussion.
sie stürzen sich auf alles
und dann ändert sich nichts.
(…)
wir haben Europa gemacht,
also machen wir auch Italien.