STORY

Harry Belafonte

Sing your song

Schauplatz Chicago, 1955. Harry Belafonte geht durch das Foyer des berühmten Empire Rooms, um die Bühne durch den Zuschauerbereich zu betreten. Der Türvorsteher des ausverkauften Konzertsaals erkennt ihn nicht und fragt, wo er hin wolle.

„In den Club,“ antwortet Belafonte und zeigt auf die Eingangstür hinter ihm. „Da kommen Sie nicht rein.“ Belafonte: „Es war klar, was er meinte: Schwarze haben keinen Zutritt. Drinnen spielte die Band bereits die zweiunddreißig Takte meines Intros. Die Managerin kam nervös heraus, suchte hektisch nach dem Stargast, entdeckte mich und sagte verärgert, ich sei jetzt dran. ‘Weiß ich’. Ich zeigte auf den Mann vor der Tür: ‘Aber das Arschloch lässt mich nicht rein’.“

Ein Jahr später, 1956, schrieb Belafonte Popgeschichte mit seinem Album Calypso. Die karibischen Rhythmen trafen bei seinen Zeitgenossen auf offene Ohren und lösten einen Calypso-Boom aus. Belafonte, fortan der „King of Calypso“, wurde mit Day-O (The Banana Boat Song) bereits in jungen Jahren zur Ikone, auch wenn er dem plötzlichen Ruhm mit kritischer Distanz begegnete. Belafonte wurde zwar in Harlem, New York geboren, aber seine Eltern stammten aus Jamaica.

Der mehrfach Grammy-dotierte Harry Belafonte trat für die Rechte der Schwarzen in Amerika ein. An der Seite seiner Freunde Martin Luther King und Robert F. Kennedy engagierte er sich gegen Apartheid und den Vietnamkrieg. So unterstützte er in den 1950er Jahren eine Stiftung, die Afrikanern durch Stipendienvergabe ein Studium in den USA ermöglichte. Ein Stipendiant war der Kenianer Barack Obama senior, dessen Sohn Präsident der USA wurde. Belafonte trat auch auf Friedensdemonstrationen in Deutschland auf und setzte sich in der Zeit der griechischen Militärdiktatur für den verfolgten Komponisten Mikis Theodorakis ein. Er engagierte sich ebenfalls gegen das Apartheidregime in Südafrika und gegen Hunger und Not im schwarzen Kontinent. Der Produktion des Welthits „We are the World“ featuring Michael Jackson geht auf seine Initiative zurück.

Doch zurück zur Tour von 1955. Der Bus von Belafonte und seinem Team hält an einer Highway-Raststätte. Der Star muss mal. Als er vor dem Pissoir steht und den Reißverschluss aufzieht, ertönt hinter ihm eine leise Stimme: „Einen Tropfen, und du bist tot, Nigger.“ Er dreht sich um. Es ist ein Polizist mit der Hand an seinem Holster. Belafonte hat das Schild „Nur für Weisse“ übersehen. „Zum Glück bewies mein Urin Besonnenheit und zog sich zurück.“ schreibt er in seinen Memoiren.

Bei mir bist du schein


Musik: Schalom Sekunda
Text: Jacob Jacobs

Und wenn du schwarz bist wie ein Tartar
Und Augen hast wie ein Kater
Und wenn du etwas hinkst
Und ein Holzbein hast
Sag ich: das macht mir nichts

Und wenn du ein närrisches Grinsen hast
Und den Verstand eines Waschweibes
Und wenn du wild bist wie ein Indianer
Sogar ein Galizier (abwertend, Hinterwäldler) bist
Sag ich: das macht mir nichts

Für mich bist du schön, bei mir hast du Charme
Für mich bist du der Einzige auf der Welt
Für mich bist du gut, bei mir hast du "it" (engl.: es)
Für mich bist du wertvoller als Geld

Viele schöne Jungen haben mich schon gewollt
Und von allen habe ich nur dich ausgewählt
Für mich bist du schön, bei mir hast du Charme
Für mich bist du wertvoller als Geld

Für mich bist du schön, bitte lass mich erklären
Für mich bist du schön, das heißt du bist großartig
Für mich bist du schön, ich sag's nochmal
Du bist der Schönste im ganzen Land

Ich könnte "Bella Bella" sagen, oder sogar "wunderbar"
Jede Sprache hilft nur dir zu sagen, wie toll du bist
Ich versuche, es zu erklären: Für mich bist du schön
Also küss mich und sag mir, du verstehst