STORY

Coco Schumann

Der Ghetto-Swinger

Für den kürzlich verstorbenen Coco Schumann war „La Paloma“ - der meist gecoverte, meist übersetzte Schlager der Welt - ein einziges Dilemma, das sein ganzes Leben prägte.

Als Gitarrist der Ghetto Swingers, der Lager-Band von Theresienstadt, spielte er dieses Lied beim Besuch der Roten-Kreuz-Delegation und in dem Propagandafilm „Der Führer baut den Juden eine Stadt“. Nach den Dreharbeiten wurden alle Insassen des Vorzeige-KZs nach Auschwitz transportiert.

Coco hatte Glück. Ein Hauptsturmführer erkannte ihn aus den Berliner Swingclubs, in denen der „Halbjude“ bis 1943 spielte, und riss ihn aus der Gaskammer-Reihe. Ab sofort trat er der Lagerkapelle bei, welche die ankommenden Menschenzüge mit Musik empfangen sollte. Das bevorzugte Stück der SS war „La Paloma“.

Schumann überlebte Auschwitz. Nach dem Krieg wanderte er zusammen mit seiner frischen Liebe nach Australien aus. Aber in dem Club, in dem er dort arbeitete, wollten auch die Melbourner immer wieder „La Paloma“ hören. Die Schumanns kehrten wieder nach Berlin zurück. Coco begleitete Willy Brandt drei Monate lang bei seinem 1961er Wahlkampf. Zum Repertoire gehörte wieder „La Paloma“. Vor einigen Jahren interviewte Nedim Hazar die deutsche Jazzlegende Coco Schumann und erfuhr von seinem inneren Kampf mit „La Paloma“.

Die gemischten Gefühle dieses Berufsmusikers gegenüber einem scheinbar harmlosen Seemanslied ist auch Ausgangspunkt und Inspirationsquelle des Projekts „Die Mampen“.